Kleine Brüder Jesu
Ordensgemeinschaften im Portrait
Kleine Brüder Jesu
Ordensgemeinschaften im Portrait
Die Gemeinschaft der "Kleinen Brüder Jesu" zählt gegenwärtig rund 172 Mitglieder. Es gibt Niederlassungen in 33 Ländern, in Afrika, Nord- und Südamerika, Asien und Europa. 42 der Mitglieder sind Priester. Kirchenrechtlich sind sie seit 1968 eine Kongregation "päpstlichen Rechts" und als kontemplative Ordensgemeinschaft anerkannt. Im deutschsprachigen Raum leben "Kleine Brüder Jesu" in Duisburg, Nürnberg, Zürich, St. Pölten und Wien. Die "Kleinen Brüder" in Österreich gehören ebenso wie jene in Belgien, Deutschland und der Schweiz der "Region Europa Nord" an.
Die "Kleinen Brüder Jesu" leiten ihre spirituelle Herkunft von Charles de Foucauld (1858 -1916) ab. Foucauld lernte bei einer "Erkundungsreise durch Marokko" 1883/84 fromme Muslime kennen, die ihn nachhaltig beeindruckten. Im Kontakt mit tiefgläubigen Familienangehörigen und durch die Weisheit eines Priesters fand er zum katholischen Glauben seiner Kindheit zurück. Nach sieben Jahren als Trappistenmönch in Syrien und drei Jahren als Eremit in Palästina wurde er 1901 zum Priester geweiht. Da ihm der Zugang zu Marokko verwehrt blieb, baute er am Nordrand der Sahara ein Klösterchen und stellte sich in den Dienst der bunten einheimischen Bevölkerung. Es drängte ihn, dorthin zu gehen, wo das Evangelium noch unbekannt war. So ließ er sich 1905 beim Nomadenvolk der Tuareg im Hoggargebirge nieder. Hier konnte er sein Ideal, Jesus in seinem Leben von Nazaret nachzufolgen, ganz verwirklichen, indem er suchte, ein Bruder und Freund des der einheimischen Bevölkerung zu werden. In den Wirren des 1. Weltkriegs wurde er am Abend des 1. Dezember 1916 im Zuge eines Überfalls in Tamanrasset erschossen. Der Todestag ist gleichzeitig sein Gedenktag. Foucauld wurde 2005 seliggesprochen.
Durch fünf französische Priester, darunter René Voillaume, wurde auf Grundlage der Ideen Foucaulds 1933 die Gemeinschaft der "Kleinen Brüder Jesu" gegründet und 1936 als Diözesankongregation anerkannt. Bis 1947 lebten die Brüder ein klösterliches Leben am Nordrand der Sahara. Dann begannen sie, sich in den Arbeitervierteln der modernen Städte und in den Slums der Dritten Welt als kleine Gemeinschaften, meist in Mietswohnungen, anzusiedeln. Bis heute leben sie ihr kontemplatives Leben unter einfachen Verhältnissen und verdienen ihren Lebensunterhalt als Arbeiter in Fabriken, auf dem Bau oder in der Landwirtschaft. Die Priester der Gemeinschaft unterscheiden sich von den anderen Mitgliedern weder durch einen besonderen Lebensstil oder Aufgabenbereich noch durch die Ausbildung oder ein größeres Maß an Autorität. Ihr speziell priesterlicher Dienst besteht darin, innerhalb der Gemeinschaft die Eucharistiefeier zu ermöglichen. In Österreich leben brüder in Wien und in St. Pölten.
(Foto: Mitglieder der Kleinen Brüder Jesu und der Kleinen Brüder vom Evangelium)