
Erzbischof von Mandalay: "Fürchten weitere Nachbeben"
Der katholische Erzbischof der Millionenstadt Mandalay in Myanmar, Marc Tin Win, rechnet mit einem weiteren Anstieg der Opferzahlen nach dem verheerenden Erdbeben. Die Menschen in Mandalay lebten unter freiem Himmel, weil ihre Häuser schwer beschädigt oder zerstört sind, berichtete der Projektpartner von Missio Österreich gegenüber den Päpstlichen Missionswerken (Montag) zur Lage in seiner Bischofsstadt. "Wir alle fürchten weitere Nachbeben." Mandalay liegt nahe dem Epizentrum des Bebens mit einer Stärke von 7,7, das am Freitag mehrere Regionen Südostasiens erschüttert hatte.
Im von einer Militärjunta regierten Myanmar ist die Lage nach wie vor unübersichtlich. Vor Ort mangelt es laut Helfern akut an sauberem Trinkwasser, Medikamenten und Lebensmitteln. Aufgrund der anhaltenden Hitze sowie der Strom- und Trinkwasserknappheit steigt zudem die Gefahr von Seuchen und Krankheitsausbrüchen. Beschädigte Straßen und wiederkehrende Internetausfälle erschweren die Nothilfe erheblich. Immer wieder gibt es auch leichtere Nachbeben.
Missio-Projektpartner Father Girish Santiago aus der Region Yangon habe sich auf den Weg nach Mandalay gemacht, um sich ein Bild der Lage zu verschaffen und Hilfe zu leisten, teilten die Päpstlichen Missionswerke weiters mit. "Der Strom fällt ständig aus, und die Wasserversorgung ist vollständig unterbrochen", berichtete er. Die Lage wird durch eine extreme Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius weiter verschärft.
Kardinal Bo fordert Waffenruhe
In Myanmar wurden bisher neben Mandalay schwere Zerstörungen auch aus der Hauptstadt Naypyidaw und der Region Sagaing gemeldet. Die Erdstöße brachten Häuser und Brücken zum Einsturz und rissen Straßen auf. Die staatlichen Medien meldeten am Sonntag unter Berufung auf behördliche Angaben 1.700 Tote, über 3.400 Verletzte und Hunderte Vermisste. Erschwert werden die Rettungsmaßnahmen durch den Bürgerkrieg zwischen der herrschenden Militärjunta und gegnerischen Milizen.
Der myanmarische Kardinal Charles Maung Bo, mahnte am Wochenende alle verfeindeten Gruppen im Land zur Einhaltung einer Waffenruhe und forderte humanitäre Korridore. Die Menschen bräuchten nach dem Erdbeben "Lebensmittel, Unterkünfte, Medikamente", sagte der Erzbischof von Rangun im Radio-Vatikan-Interview. "Ich habe an alle Beteiligten appelliert, dringend humanitäre Hilfe zu leisten und ungehinderten Zugang zu den betroffenen Menschen zu gewähren."
Österreichischer Missionar erschüttert
Missio Österreich unterstützt die katholische Kirche in Myanmar seit Jahren in ihrer pastoralen und vor allem sozialen Arbeit. Pater Joe Unterberger, ein österreichischer Missionar, der jahrelang in Myanmar tätig war und das Land weiterhin regelmäßig besucht, äußerte sich tief erschüttert über die Katastrophe: "Es ist so tragisch, dass Menschen, die bereits unter den brutalen Realitäten der Diktatur leiden, jetzt noch ein verheerendes Erdbeben erleben."
Missio-Nationaldirektor Pater Wallner bat erneut um Spenden zur Unterstützung der Nothilfe. "Unsere Partner sind schon dort. Wir sind ununterbrochen mit ihnen in Verbindung und können deshalb sofort handeln."
Salesianer und Caritas bitten um Spenden
Der Provinzial der heimischen Salesianer Don Boscos, P. Siegfried Kettner, bat am Montag ebenfalls um Spenden. Auch Einrichtungen des Ordens seien vom Beben schwer getroffen. So wurden in Mandalay das Straßenkinderzentrum und die Kirche der Salesianer fast völlig zerstört. Auch Gebäude der Ausbildungsgemeinschaft des Ordens wurden schwer beschädigt. Die Hilfe der heimischen Salesianer wird über die Don Bosco Mission Austria durchgeführt.
Der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner rief ebenfalls zu Hilfe auf. Unzählige Menschen hätten ihr Zuhause verloren. Aktuellen Schätzungen zufolge dürften knapp 3,5 Millionen Menschen von Obdachlosigkeit betroffen sein. "Wie so oft wurden Gebiete getroffen, wo Menschen ohnehin unter oft schwierigsten Bedingungen leben", so Schwertner im Kurznachrichtendienst Bluesky. Myanmar gelte als eines der ärmsten Länder der Welt. Etwa 19 Millionen Menschen seien auf humanitäre Unterstützung angewiesen. "Das Erdbeben traf unzählige Menschen, die bereits zuvor alles verloren hatten", so der Caritasdirektor.
50.000 Euro aus Caritas-Katastrophenfonds
Die Caritas sei in engem Austausch mit den Partnerorganisationen vor Ort, um rasch und gezielt Hilfe zu koordinieren. Ein Kollege der Caritas Österreich sei bereits auf dem Weg in das betroffene Gebiet. Die Caritas habe unmittelbar 50.000 Euro aus ihrem Katastrophenfonds zur Verfügung gestellt. Doch es werde rasch weitere Hilfe brauchen, so Schwertner.
Für das Hilfswerk "Jugend Eine Welt" hat sich am Montag die Moderatorin und Autorin Chris Lohner zu Wort gemeldet. "Die Bilder von eingestürzten Häusern, zerstörten Straßen, Mütter mit Kindern, die im Freien übernachten und Helfern, die in Bergen von Trümmern mit bloßen Händen nach Vermissten graben. - Das sind Bilder die unter die Haut gehen", so Lohner in einer Aussendung: "Meine innigsten Gedanken sind bei den leidenden Menschen in Myanmar. Hilfe ist dringend nötig, so schnell wie möglich."
Berichte über Luftangriffe
Im Bürgerkriegsland Myanmar waren laut UN-Angaben schon vor dem Erdbeben Millionen Menschen auf Unterstützung angewiesen. Demnach litten 15 Millionen Menschen Hunger; 3,5 Millionen wurden durch den Bürgerkrieg zu Binnenvertriebenen.
Trotz Erdbebenkatastrophe führte die Junta den Krieg gegen Widerstandsgruppen weiter. Seit dem Beben vom Freitag hat die Luftwaffe nach Angaben des Nachrichtenportals "Democratic Voice of Burma" mindestens elf Luftangriffe geflogen. Ein Teil der Ziele hätten demnach in der Nähe des Katastrophengebiets gelegen.
Auch Journalisten kritisierten eine Entscheidung der Junta: Diese verweigert ausländischen Medien, die über das Erdbeben berichten wollten, die Einreise nach Myanmar. Regimesprecher Generalmajor Zaw Min Tun habe dies mit Schwierigkeiten bei der Unterbringung, Stromausfällen und Wasserknappheit begründet, berichtete am Montag das unabhängige Nachrichtenportal Irrawaddy.
Spendenkonten für Erdbeben-Hilfe
Missio - Päpstliche Missionswerke in Österreich: IBAN: AT96 6000 0000 0701 5500, Verwendungszweck: Erdbeben Myanmar und Thailand
Caritas Österreich: IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560, Kennwort "Katastrophenhilfe Südostasien"
Don Bosco Mission Austria: IBAN: AT33 6000 0000 9001 3423, Kennwort "Erdbebenhilfe Myanmar"
"Jugend Eine Welt": IBAN: AT66 3600 0000 0002 4000, Kennwort: Erdbeben Myanmar
"Diakonie Katastrophenhilfe": IBAN: AT85 2011 1287 1196 6333, Kennwort: Erdbebenhilfe Südostasien
Quelle: kathpress