
Schönborn-Abschied erbrachte knapp 77.000 Euro an Spenden
Etwas mehr als 76.600 Euro hat die Spendenaktion erbracht, die Kardinal Christoph Schönborn anlässlich seines Abschieds als Erzbischof von Wien ins Leben gerufen hat. Beim Dankfest am 18. Jänner im Stephansdom und rund um den Abschied auch online erbat der Kardinal um Spenden für die Wiener St. Elisabeth-Stiftung, die sich für schwangere Frauen sowie Mütter und ihre Kinder in Not einsetzt, und für die "Initiative Christlicher Orient" (ICO), die mit den Spenden ein Altenheim in Syrien unterstützt. Kardinal Schönborn zeigte sich dankbar für das "starke Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe" angesichts des beeindruckenden Betrags von exakt 76.631. Die Mittel gingen jeweils zur Hälfte an die Elisabeth-Stiftung und die ICO, wie die Erzdiözese Wien mitteilte.
Der Linzer Bischofsvikar und ICO-Obmann Slawomir Dadas dankte am Dienstag via Kathpress dem Kardinal und den vielen Spenderinnen und Spendern für ihre Unterstützung, die den Menschen im Altenheim in Al-Mouzineh zugutekommen wird. 90 Prozent der Menschen in Syrien würden unter der Armutsgrenze leben. Die politische Zukunft Syriens sei ungewiss, sicher sei hingegen, dass die Menschen nur dann überhaupt eine Chance haben werden, wenn ihnen geholfen wird, so Dadas: "Die Hilfe aus Österreich zeigt den Menschen, dass sie nicht vergessen sind. Das ist letztlich nicht weniger wichtig als die materielle Hilfe."
Der Ort Al-Mouzineh liegt im "Tal der Christen". Das "Tal der Christen" befindet sich in der syrischen Küstenregion und blieb während des gut 13 Jahre dauernden Krieges von direkten Kampfhandlungen verschont. Auch während der jüngsten Massaker von Teilen der neuen Regierungstruppen gegen die alawitische Bevölkerung in der syrischen Küstenregion blieb es im "Tal der Christen" laut ICO-Obmann Dadas "Gott sei Dank ruhig".
Al-Mouzineh und weitere Orte im Tal wurden in den vergangenen Jahren aber von vielen christlichen Binnenvertriebenen aus anderen Teilen Syriens geflutet. Vor dem Krieg gab es in Al-Mouzineh 600 christliche Familien (allesamt griechisch-orthodox), nun sind es 1.200. Sie gehören inzwischen auch verschiedenen Konfessionen an. Die wirtschaftliche und soziale Lage ist verheerend.
Der örtliche griechisch-orthodoxe Pfarrer Boutros und sein Team sind im Ort nicht nur für die Seelsorge, sondern auch für die karitative und soziale Hilfe für die Menschen und die Infrastruktur zuständig. Das Altenheim im Ort wurde von der Pfarre errichtet. Derzeit sind rund 30 alte und behinderte Personen untergebracht. Es gibt auch therapeutische Angebote. 40 Personen haben einen Arbeitsplatz. Die Versorgung der Menschen wird seit einigen Jahren vom Linzer Hilfswerk "Initiative Christlicher Orient" (ICO) unterstützt. Der Strom kommt zu einem großen Teil von einer Solaranlage, die die ICO ebenfalls finanziert hat.
Mit den Spenden aus der Solidaritätsaktion des Kardinals soll zum einen die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner des Heims weiter gewährleistet werden, zum anderen soll ein Teil auch für einen Zubau verwendet werden. Pfarrer Boutros möchte dringend noch einen zweiten Stock errichten, um mehr Menschen aufnehmen zu können, denn der Bedarf ist weit höher als die bisherigen Möglichkeiten der Pfarre.
Das Altenheim ist nur eines von mehreren Hilfsprojekten der Pfarre: 70 Kranke werden regelmäßig mit Medikamenten unterstützt, für bis zu 400 Kinder gibt es im Winter immer warme Kleidung, es gibt Unterstützung für Studenten, die Pfarre hat zwei Busse angeschafft, mit denen die Kinder in die Schule gefahren werden. Die Pfarre hat in den vergangenen Jahren auch für die Straßenbeleuchtung und Müllabfuhr gesorgt sowie die öffentlichen Schulen mit Materialien versorgt. Zuletzt hat die Pfarre auch für 30 Studenten das Fahrtgeld zur Uni übernommen und viele Familien erhielten im Rahmen eines weiteren Hilfsprojekts Saatgut und Dünger, damit sie ihre kleinen Felder und Gärten bewirtschaften können. Mittelfristiges Ziel solcher Maßnahmen ist, dass es in Al-Mouzineh zu keiner Hungersnot kommt, denn die Armut ist in der Region allgegenwärtig.
Hilfe für ein Mutter-Kind-Haus
Die St. Elisabeth-Stiftung der Erzdiözese Wien kann die Spendengelder ebenfalls dringend brauchen. Der bisherige Standort eines Mutter-Kind-Hauses kann nicht weiter genutzt werden, was fünf Mütter und ihre Kinder direkt betrifft, wie es vonseiten der Erzdiözese heißt. Glücklicherweise sei bereits eine neue Bleibe am Währinger Gürtel gefunden worden, die sogar Platz für noch mehr Familien bietet. Allerdings stehe eine umfassende Renovierung des Gebäudes an, und die Zeit dränge. Böden, Wände, Elektrik und Sanitäranlagen müssten erneuert werden. Für die sieben geplanten Wohneinheiten würden zudem Küchenzeilen, ein Büro und ein Spielzimmer benötigt. Dank der großzügigen Spende könne nun rasch geholfen werden.
Unter dem Motto "Mama, du schaffst das!" bietet die St. Elisabeth-Stiftung umfassende Unterstützungen für schwangere Frauen, wohnungslose alleinerziehende Mütter und ihre Kinder sowie obdachlose Menschen. Das vielseitige Angebot der Stiftung umfasst Familien-, Rechts- und Schwangerenberatung sowie psychotherapeutische Angebote. Vier Mutter-Kind-Einrichtungen, ein sozialpädagogisches Team und Startwohnungen bieten den Betroffenen ein sicheres Zuhause. Das mobil betreute Wohnen ermöglicht weitgehend selbstständiges Wohnen mit bedarfsorientierter Begleitung, während das soziale Wohnungsmanagement Wohnungen an obdachlose Menschen vermittelt. Zudem bietet die Stiftung Arbeitsintegrationsprogramme wie die Web- & Kreativwerkstatt, klassische Arbeitsintegration, Mamas Werkstatt und ein Sachspendenlager.
(Infos: www.christlicher-orient.at bzw. www.elisabethstiftung.at/)
Quelle: kathpress