
Scheuer: Aufruf zu Zuversicht und Versöhnung in schwieirigen Zeiten
Bischof Manfred Scheuer feierte am Samstagabend mit zahlreichen Gläubigen im Linzer Mariendom einen Umkehr- und Versöhnungsgottesdienst mit Lichterprozession. Der Gottesdienst fand im Rahmen des Heiligen Jahres statt, das Papst Franziskus für 2025 ausgerufen hat und das unter dem Thema "Pilger der Hoffnung" steht. Mit den brennenden Kerzen in den Händen zog die Feiergemeinde in einer Lichterprozession vom Altarraum durch den Kapellenkranz. Bischof Scheuer sagte dabei: "Wir werden im Heiligen Jahr ermutigt, als Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung gemeinsam aufzubrechen und einen Weg der Umkehr zu gehen. Mit Kerzen in unseren Händen dürfen wir uns vom Licht Christi leiten lassen. Möge es uns neu aufrichten und mit Zuversicht erfüllen."
In seiner Predigt betonte Bischof Scheuer, Buße und Umkehr seien ein Weg zum Leben, zum Glück und zum guten Geschmack des Lebens. Gott wolle das gute und geglückte Leben des Menschen. "Ein Verstoß gegen das menschlich Gute, gegen das eigene Heil ist auch eine Beleidigung Gottes, und Sünde richtet sich gegen das eigene Wohl, gegen das eigene Glück", so der Bischof wörtlich. Sünde zerstöre das Leben zwischen den Menschen, zerstöre die Gemeinschaft.
Scheuer: "Das Leben wird zum Kreisen um den eigenen Bauchnabel - da gibt es keine Empathie, keine Freude an der Gemeinschaft, kein Du. Sünde ist oft ein falsches Ideal vom Ich und vom Leben, ein falscher Daseinsentwurf: Sei es, dass man durch Genuss, Macht, Erkenntnis, Erlebnisse oder Strategien gottgleich sein will, sei es, dass man die eigenen Grenzen nicht anerkennen will oder kann."
Gerade in kritischen Zeiten sei es wichtig, die Schönheit des Glaubens in den Blick zu nehmen. Der Bischof zitierte in diesem Zusammenhang Papst Benedikt XVI.: "Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt. (...) Die Liebe ist nicht mehr nur ein 'Gebot', sondern Antwort auf das Geschenk des Geliebtseins, mit dem Gott uns entgegengeht." Der Geschmack Jesu, so Scheuer, sei "ein Geschmack der Freundschaft und Gemeinschaft, ein Geschmack der Ruhe und des Friedens".
Die Seele brauche die Nahrung der Liebe und der Schönheit. "Die Seele wird genährt durch einen Blick auf Blumen, ein Erleben der Natur, ein gutes Buch, eine berührende Symphonie, durch die innere Schönheit von Menschen. Und wir dürfen durchaus die Schönheit des Glaubens in der Liturgie, in Musik und Kunst, in Ritualen und Wallfahrten zeigen. Wenn wir durch die Schönheit den Fragen unseres Lebens begegnen, wird sie zu einem Weg tiefer innerer Reflexion und Spiritualität", so der Bischof. Der Blick für das Schöne mache aber nicht blind für die Nöte anderer, denn: "Wer mit Augen Jesu sehen lernt, der wird zu einem empfindsamen Menschen, gerade auch für den anderen. Jesu Sehen führt in menschliche Nähe, in die Solidarität, in das Teilen der Zeit, das Teilen der Begabungen und auch der materiellen Güter."
Am Ende des Gottesdienstes segneten Bischof Manfred Scheuer, Diakon Peter Schwarzenbacher und Domkapitular Michael Münzner die Mitfeiernden einzeln.
Quelle: kathpress