
Experte: Krankheit zwingt Papst zu kollegialerem Führungsstil
Sein Gesundheitszustand zwingt Papst Franziskus, seinem eigenen Aufruf nach mehr Mitbestimmung und Teilhabe in der Kirche nun auch selbst nachzukommen. Das hat der deutsche Vatikan-Experte Ludwig Ring-Eifel in der ORF-Religionssendung "Prisma" erläutert. Franziskus habe schon lange die Machtstrukturen im Vatikan insofern ändern wollen, dass sie synodaler werden und und mehr Beratungsstrukturen eingeführt werden. Zugleich sei der Papst von seiner Persönlichkeit her jemand, der gerne alleine Entscheidungen trifft. Und jetzt scheine es, so Ring-Eifel, "dass er durch die Krankheit mehr oder weniger gezwungen ist, Dinge zu delegieren und sich auf einen kollegialen Leitungsstil einzulassen".
Zu den engsten Mitarbeitern des Papstes zählte Ring-Eifel an erster Stelle Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der bereits sehr viele Aufgaben des Papstes übernommen habe. Sehr präsent sei weiters auch Kardinal Víctor Manuel Fernández, Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre. Ebenso nannte Ring-Eifel auch Kardinal Mario Grech, den der Papst mit der Fortführung des synodalen Prozesses beauftragt habe. Als vierte zentrale Persönlichkeit würde er noch Kardinal Robert Prevost nennen, den Präfekten des vatikanischen Bischofsdikasteriums und damit zuständig für die Bischofsernennungen.
Theoretisch wäre es auch möglich, dass der Kardinalsrat K9 wieder mehr Gewicht bekommt. Der Papst habe das Gremium bislang aber nicht zusammengerufen. Zudem seien einige Mitglieder altersbedingt schon ausgeschieden und es habe keine Nachnominierungen gegeben. Welche Pläne Franziskus mit dem Rat hat, könne man deshalb derzeit nicht sagen, so Ring-Eifel.
Darauf angesprochen, dass der nächste Papst die von Papst Franziskus initiierten Reformschritte theoretisch auch wieder zurücknehmen könnte, zeigte sich Ring-Eifel skeptisch. Er habe Zweifel, dass man so etwas im 21. Jahrhundert noch in den Blick nehmen werde. Er glaube, dass der eingeschlagene Reformweg auch nach Franziskus weitergehen werde.
Ring-Eifel leitet in Rom die gemeinsame Redaktion von Kathpress, der Deutschen Katholischen Nachrichtenagentur KNA und dem Schweizer Portal "kath.ch".
Der ORF hat mit der Sendung "Prisma" ein neues TV-Format für Religion und Ethik entwickelt, das am Samstag erstmals auf Sendung ging. Das wöchentliche Format - jeweils Samstag um 16.45 Uhr auf ORF 2 und gestreamt auf ORF ON - will sich mit aktuellen Themen aus den Bereichen Religion und Ethik befassen.
Quelle: kathpress