
Wien: 250 Teilnehmende bei "queerem Kreuzweg" in Votivkirche
Auf Projektionswänden eingespielte Interviews von homosexuellen und Trans-Personen gehörten zu den Gestaltungselementen eines "queeren Kreuzwegs" in der Wiener Votivkirche, über den Pfarrer Gregor Jansen von der Regenbogenpastoral Österreich am Freitag gegenüber Kathpress berichtete. Mehr als 250 Teilnehmende waren dazu kürzlich in die neugotische Kirche an der Ringstraße gekommen, 30 Mitwirkende aus verschiedenen christlichen Kirchen sorgten laut Jansen unter dem Titel "Zusammen auf*brechen" für einen "intensiven und berührenden Abend".
Der Seelsorger wies auf Parallelen zwischen der in 14 Kreuzwegstationen vergegenwärtigten Leidensgeschichte Jesu und der Ausgrenzung queerer Personen hin und erinnerte an jüngste Hassverbrechen gegen Homosexuelle in Wien. Die Worte aus dem Psalm 31 zur ersten Station "Jesus wird verurteilt" sind laut Jansen erschreckend aktuell: "Ich höre viele hinter meinem Rücken tuscheln. Von allen Seiten droht mir Gefahr! Meine Feinde tun sich zusammen, um mich aus dem Weg zu räumen."
Die Mitfeiernden gruppierten sich auf Sesseln, Sitzmatten und Polstern rund um eine kreisrunde Fläche in der Mitte der Votivkirche. Auf drei Projektionswänden kamen interviewte Betroffene zu Wort und schilderten passend zu dem Kreuzwegstationen Erfahrungen von Schmerz und Ausgrenzung, aber auch von Ermutigung, Annahme sowie von Selbstermächtigung. Jansen berichtete von einer jungen lesbischen Frau, die sich fragte, ob sie mit ihren Gefühlen und ihrer Identität Platz in ihrer Kirche hat: "Ich wusste nicht, ob es möglich ist, zugleich christlich und homosexuell zu sein". Eine Trans-Frau verließ ihren früheren Lebensort und bemerkte: "Oft war es in der neuen beruflichen Umgebung leichter, über meine Identität zu sprechen, als in der eigenen Familie." Ein schwuler Mann musste von einem geschätzten Priester hören: "Du hast eine Krankheit, ein Handicap, das du tragen musst für das Heil der Welt".
Immer wieder sei die Rede von Depression und Suizidgedanken gewesen, von Ablehnung, Verurteilung und dem Gefühl, alleingelassen zu sein. Aber auch ein fast trotziges "Ihr könnt mir den Glauben und die Kirche nicht nehmen, denn die Kirche in mir lebt" wurde ausgesprochen, so Jansen. Manche Betroffene hätten gerade in der Krise zu Gott und zur Gewissheit, nicht allein zu sein, gefunden.
"So ist die Kirche, zu der ich gehören möchte"
Die Begegnungen mit Simon und Veronika auf Jesu Weg nach Golgotha wurden bei der entsprechenden Kreuzwegstation aktualisiert durch die wohltuende Erfahrung mit solidarischen Menschen. Oft werde die "Queer Community" zur "chosen family", in der Unterstützung und Ermutigung erlebbar wird, weiß der Regenbogenpastoralverantwortliche. Am Ende der Feier wurde der Hoffnung auf Auferstehung Ausdruck gegeben: Der gemeinsam musizierte Song "I want to break free" der Rockgruppe Queen leitete zum Segensgebet über.
Besucherinnen und Besucher hätten danach "für den berührenden und intensiven Abend" gedankt, jemand habe gemeint: "So ist die Kirche, zu der ich gehören möchte."
Der zum zweiten Mal in Wien veranstaltete queere Kreuzweg wird am 9. April auch in den nächstgrößten Städten Österreichs zu erleben sein: in Graz in der Pfarrkirche Hl. Schutzengel um 18 Uhr und in Linz in der Jugendkirche Grüner Anker um 18.30 Uhr.
Quelle: kathpress