
Theologin: Trump und Vance missbrauchen christliche Begriffe
Eine inhaltliche Entkernung christlicher Begriffe wie Solidarität und Tugend durch US-Präsident Donald Trump und seinen Vize, James David "JD" Vance, hat die Innsbrucker Theologin, Prof. Michaela Quast-Neulinger, kritisiert. Die Art, wie Trump und Vance die Begriffe zweckentfremden, zeuge jedoch letztlich vor allem von einer "Schwäche der Kirche, dass man sich so lange mit einer oberflächlichen Theologie abgegeben und geglaubt hat, das ist alles selbstverständlich", sagte Quast-Neulinger im Gespräch mit ORF-Topos. "Und nun muss man erleben, wie Kernbegriffe und Kernüberzeugungen des christlichen Glaubens einfach völlig missbraucht, entleert und benutzt werden."
Anlass der Wortmeldung Quast-Neulingers war die aufsehenerregende Predigt der anglikanischen US-Bischöfin Mariann Edgar Budde, die den US-Präsidenten beim traditionellen Gottesdienst zur Amtsübernahme in der National Cathedral in Washington um Barmherzigkeit für Migranten und sexuellen Minderheiten gebeten hatte. Zuletzt hatte Budde dazu das Buch "Mutig sein" publiziert.
"Dass eine Bischöfin so klar in einer Predigt Stellung bezieht und nicht vor der Auseinandersetzung mit der institutionellen Macht zurückscheut, ist außergewöhnlich", so Quast-Neulinger. Umso erschütternder sei hingegen das "dröhnende Schweigen" von Vertretern anderer Kirchen in den USA, insbesondere auch aus der katholischen Kirche, das angesichts der angekündigten Vorhaben Trumps gefolgt sei.
Kritisch äußerte sich Quast-Neulinger weiters zu den Diffamierungen, die Budde speziell aus dem konservativen Milieu im Anschluss an ihre Predigt entgegenschlugen. Trump selbst hatte sie als "sogenannte Bischöfin" bezeichnet. Diese Reaktion sei auch im Kontext einer Warnung vor einer "Feminisierung der Kirche" durch extreme Gruppierungen in den USA zu sehen, die in den letzten Jahren verstärkt Zuspruch erfahren hätten, so Quast-Neulinger. "Zu diesem Zwecke werden veraltete, frauenfeindlichen Theologien, Ideologien und Philosophien wieder hervorgekramt - eine toxische Mischung, oft gepaart auch mit einer Militarisierung der Theologie um die Kirche in sozialen Netzwerken." Diese extremen Gruppierungen seien zwar zahlenmäßig nicht viele, aber sehr laut, "aufgrund medialer Aufmerksamkeit, weil sie die Medienorgel sehr gut spielen können und sehr gut vernetzt sind".
Quelle: kathpress