
Sektenexperten fördern kritischen Blick auf esoterische Lebenshilfen
Unter dem Titel "Der perfekte Mensch" haben die österreichischen katholischen Weltanschauungsreferenten ein neues Bildungsprojekt gestartet, das sich kritisch mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Perfektion und Selbstoptimierung auseinandersetzt. Seit Anfang März wird die Initiative in Zusammenarbeit mit allen Schulämtern österreichweit an Schulen ausgerollt. Zielgruppe sind Jugendliche ab 14 Jahren.
Kernstück des Projekts ist die Aktion "Bist du perfekt?". Jugendliche sind dabei eingeladen, sich kreativ mit eigenen Vorstellungen von Perfektion, aber auch der Rolle von selbst ernannten Life-Coaches und Influencer auseinanderzusetzen, etwa durch Bilder, Collagen oder kurze Videos. Für den Unterricht stehen via www.weltanschauungsfragen.at entsprechende Materialien und Bausteine bereit.
Jugendliche seien stark dem Druck ausgesetzt, in Schule, Beruf, Aussehen und Freizeit möglichst perfekt zu sein, erklärte Johannes Sinabell, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Weltanschauungsreferenten, die Intention des Projektes. Der Markt an Angeboten zur Selbstverbesserung - von esoterischen Lebenshilfen über Geistheiler bis zu Life-Coachings - boome. Zwar sei gegen Angebote und Hilfen zur Verbesserung des Lebensgefühls und der Lebensumstände prinzipiell nicht einzuwenden, "aber in unsicheren Zeiten haben jene, die Illusionen verkaufen, immer Hochkonjunktur", so Sinabell.
Das Projekt solle dazu beitragen, Jugendliche und Lehrpersonen für die problematischen Versprechen solcher Angebote zu sensibilisieren und einen "kritischen Blick auf das, was als Perfektion vorgegeben wird sowie auf das Geschäft mit dem Versprechen auf ein besseres Leben" fördern, verdeutlichte Sinabell.
Es gelte nicht nur wahrzunehmen, weshalb und wie esoterische Lebenshilfeangebote, Geistheiler oder Life-Coachings gesucht werden, sondern auch darauf hinzuweisen, "dass einiges davon tatsächlich konfliktträchtig oder gefährlich sein kann", betonte der Experte.
Sinabell wies darauf hin, dass das Projekt keine generelle Kritik an Selbstfürsorge üben wolle: "An sich selbst zu arbeiten ist grundsätzlich positiv zu werten." Vielmehr wolle man Jugendliche ermutigen, Selbstentfaltung vor übermäßige Selbstoptimierung zu stellen. "Auch was nicht perfekt ist, ist gut", so Sinabell.
Zu den Unterrichtsbausteinen gehören etwa Anleitungen zur kritischen Reflexion über Influencer als "Glücksmacher" in Sozialen Medien, oder "Selbstentfaltung statt Selbstoptimierung" sowie Quellen für Lehrpersonen und Eltern.
Quelle: Kathpress