
Kärnten: Weiterer Schritt bei Kirchenreformen gesetzt
Eine synodale Kirche benötigt "missionarische Kreativität und den Mut zu neuen Formen der Seelsorge": Das hat die neue Bischöfliche Vikarin Barbara Velik-Frank in ihren Ausführungen bei der jüngsten Kärntner Diözesanratssitzung betont. Beispielhaft nannte Velik-Frank etwa die Förderung der Vielfalt von Charismen oder die stärkere Einbindung des Laienamtes. Vor allem gehe es darum, so die Bischöfliche Vikarin, "im Vertrauen aufeinander und auf Christus Synodalität zu lernen". Der Kärntner Diözesanrat tagte am vergangenen Freitag über weitere Schritte im Rahmen des Kirchenentwicklungsprozesses der Diözese Gurk und beschloss konkrete Maßnahmen.
Die Delegierten kamen unter der Leitung von Diözesanbischof Josef Marketz im Bildungshaus Sodalitas in Tainach/Tinje zusammen. Der Kirchenentwicklungsprozess steht unter dem Motto "Weil Gott Liebe ist ..." ("Ker je Bog ljubezen ..."). Die Diözese Gurk informierte über die Ergebnisse der Sitzung am Montag in einer Aussendung.
Bischof Marketz betonte demnach in seinen Ausführungen, ein offener und ehrlicher Dialog sei "Voraussetzung für ein konstruktives Weiterkommen im Kirchenentwicklungsprozess". Es bekräftigte einmal mehr die Notwendigkeit des vorurteilsfreien Zuhörens und eines offenen miteinander-Redens.
Michael Kapeller, Geschäftsführender Leiter des Instituts für kirchliche Ämter und Dienste, skizzierte das Schlussdokument der Weltsynode und benannte daraus fünf Themenfelder, die auch im Kirchenentwicklungsprozess eine besondere Rolle einnehmen würden: Synodalität, Partizipation, Missionarische Kirche, Förderung von Charismen und Bildung in der Synodalität.
"Pastoral-strategische Ziele"
Der Kirchenentwicklungsprozess in Kärnten verfolgt sieben "pastoral-strategische Ziele", die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen. Dazu zählen u.a. die Suche nach neuen Wegen in der Glaubensverkündigung, Verbesserungen bei der Qualität liturgischer Feiern, Schwerpunkte im Bereich Caritas, Personalentwicklung, Kommunikation und die Umsetzung "synodaler und partizipativer Strukturen". Bei der jüngsten Sitzung des Diözesanrats wurden dazu mehr als 30 konkrete Maßnahmen verabschiedet.
So geht es um die Schaffung von Arbeitsgruppen, die sich um die Förderung neuer lokaler Glaubensinitiativen oder die stärkere Einbeziehung von Menschen mit Beeinträchtigungen in die Pfarren bemühen sollen. Andere Maßnahmen zielen auf eine kinder- und jugendfreundlichere Kirche ab.
Auch die Katholische Aktion ist als offizielle Laienbewegung der Kirche Teil des Kirchenentwicklungsprozesses in Kärnten. Sie soll laut Aussendung ihr Profil als kritische gesellschafts- und sozialpolitische Stimme der Kirche schärfen. Eine weitere Arbeitsgruppe soll ein standardisiertes Umweltprogramm für Pfarren und weitere kirchliche Einrichtungen erarbeiten.
Weitere Maßnahmen betreffen etwa die Implementierung von Vorgaben der Regenbogenpastoral Österreich in Kärntner Pfarren, sodass Menschen unabhängig von ihrer Lebens- und Beziehungsgestaltung Zugehörigkeit erfahren können. Weiters sollen die personellen und finanziellen Ressourcen optimiert werden, damit die slowenische Sprache in allen Pfarren, regionalen Zentren, Gremien und diözesanen Dienststellen, wo sie verwendet wird, in Wort und Schrift benutzt werden kann.
Im Sinne einer solidarischen Kirchenentwicklung errichtet die Diözesanleitung zudem einen "pfarrlichen Solidaritätsfonds", durch den finanzschwache Pfarren durch finanzstarke Pfarren unterstützt werden. Weiter soll etwa ein diözesanes Beschwerdemanagement eingerichtet werden.
Die Maßnahmen zu den Zielen des Kirchenentwicklungsprozesses der Diözese wurden bei der Diözesanratssitzung mit großer Mehrheit angenommen, hieß es am Montag in der Aussendung der Diözese. Die Diözese hat alle pastoral-strategische Ziele sowie die konkreten Maßnahmen auf ihrer Website veröffentlicht.
Der Diözesanrat der Diözese Gurk, in dem die Katholikinnen und Katholiken der Diözese repräsentiert sind, ist laut Statut "ein Gremium, das im kirchlichen Heilsdienst den Bischof in seinem Amt mitverantwortlich unterstützt". Die Sitzungen des Diözesanrates, der regulär alle fünf Jahre mit Mitgliedern aus den 23 Dekanaten der Diözese neu zusammengesetzt wird, finden mindestens zweimal jährlich statt. Dem Diözesanrat gehören unter der Leitung des Bischofs rund weitere 70 Personen an, die von Amts wegen, durch Wahl oder durch Ernennung bestimmt sind.
Quelle: Kathpress