
Kirchenexperte: Für Verfolgte muss in Österreich immer Platz sein
Licht und Schatten sieht der Integrationsbeauftragte der Diözese Graz-Seckau, Erich Hohl, im neuen Regierungsprogramm. In der Asyl- und Migrationsdebatte gebe es sinnvolle Vorhaben wie eine Stärkung der Unterstützung für das UN-Flüchtlingshochkommissariat und andere Hilfsorganisationen in Krisenregionen, so Hohl in einer Aussendung am Freitag. Eine Darstellung von Asylsuchenden als generelles "nationales Sicherheitsrisiko" sei hingegen abzulehnen. Flucht und Wirtschaftsmigration müssten getrennt betrachtet werden, so Hohl: "Für Verfolgte muss immer Platz sein."
Die Frage des Familiennachzugs und des Kopftuchverbots müsse man sich im Blick auf grundlegende Menschenrechte genau ansehen. Problemlagen und Herausforderungen im Zusammenhang mit Asyl und Migration seien klarerweise ernst zu nehmen, ein Asylstopp sei jedoch entschieden abzulehnen.
Ein Integrationspfad mit einem "modularen Programm" werde mithelfen, ein gutes Zusammenleben zu erleichtern, zeigte sich der kirchliche Integrationsexperte überzeugt, angekündigte Leistungsreduzierungen in den ersten Jahren könnten jedoch ein Hemmschuh bei der Integration sein, warnte er zugleich.
Hohl: "Integrationsarbeit wird dann erfolgreich sein, wenn sie Brücken baut, nicht Gräben aushebt. Das Zusammenleben in Vielfalt ist eine Überlebensfrage für unsere heutige globalisierte Gesellschaft." Integration sei freilich keine Einbahnstraße, sondern ein wechselseitiger Prozess, der gegenseitigen Respekt verlangt, so der kirchliche Integrationsexperte: "Gelingende Integration braucht faire Chancen zur sozialen, kulturellen und politischen Teilhabe. Daher ist es wichtig, dass taugliche Integrationsmaßnahmen zum Wohl der gesamten Gesellschaft - wie es die Regierung jetzt klugerweise plant - vom ersten Tag an gesetzt werden."
Quelle: kathpress