Stift Altenburg: Altabt Haidinger feiert 80. Geburtstag
Christian Haidinger, Altabt von Stift Altenburg und langjähriger Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, feiert am 12. März seinen 80. Geburtstag. In einem auf der Website der heimischen Ordensgemeinschaften veröffentlichten Interview blickt er zurück auf sein Leben und nimmt sich auch im Geburtstagsinterview kein Blatt vor den Mund, wenn es um Reformfragen in der katholischen Kirche geht. Was den Zugang von Frauen zu Weiheämtern geht, habe er sich "oft in die Brennnesseln gesetzt". Schon als junger Student in Rom habe ihn interessiert, "warum Frauen in der Kirche Menschen zweiter Klasse sind". Ihm gehe das manchmal alles zu langsam: "Ich werde es zwar nicht mehr erleben, aber ich bin überzeugt, dass das Frauenpriestertum noch kommt."
Zehn Jahre lange war Haidinger im Vorstand der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften, davon sechs Jahre in der Funktion als Vorsitzender. In seiner Zeit wurde die Zusammenlegung der Superiorenkonferenz mit der Vereinigung von Frauenorden Österreichs zur neuen Österreichischen Ordenskonferenz vorangebracht und umgesetzt. Haidinger: "Wann immer ich etwas zu sagen hatte, habe ich mich dafür stark gemacht, dass wir etwas Gemeinsames machen. Es waren einfach logische Schritte, für die ich mich gerne mit Leidenschaft eingesetzt habe."
Pfarrer und Abt auf Umwegen
Der 1944 in Siezenheim/Salzburg geborene Christian Haidinger trat 1964 nach seiner Matura am Stiftsgymnasium Kremsmünster in die Ordensgemeinschaft der Benediktiner ein. Ein Jahr später legte er die zeitliche und drei Jahre später die Ewige Profess ab. Von 1966 bis 1970 studierte Haidinger Theologie am Päpstlichen Athenaeum Sant' Anselmo; am 6. Juli 1969 wurde er zum Priester geweiht. Er war zehn Jahre lang Pfarrer in Buchkirchen (OÖ).
Lange Jahre blieb Haidinger dem Stift Kremsmünster verbunden; unter anderem fast drei Jahrzehnte als Religionslehrer am Stiftsgymnasium. 2005 wählten ihn dann aber die Mönche von Stift Altenburg im Waldviertel zu ihrem neuen Abt. Der Ordensmann blieb bis zum 12. März 2014, seinem 70. Geburtstag, im Amt. 2006 wurde er zum Präsidenten von "Klösterreich", einem Interessenverbund der Stifte, Klöster und Orden Österreichs, gewählt.
Am 18. November 2009 wurde Haidinger im Generalkapitel zum Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation gewählt; dieses Amt hatte der Ordensmann bis 25. Oktober 2017 inne; sein Nachfolger ist Abt Johannes Perkmann von der Benediktinerabtei Michaelbeuern.
Am 25. November 2013 wurde Haidinger als Nachfolger von Propst Maximilian Fürnsinn zum Ersten Vorsitzenden der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs gewählt; diese Funktion hatte er bis Ende 2019 inne.
"Kaum etwas in meinem Leben war geplant"
Er blicke auf ein sehr erfülltes Leben zurück, sagt Haidinger in dem Interview anlässlich seines 80. Geburtstags. Jedoch: "Kaum etwas in meinem Leben war geplant, alles in meinem Leben hat sich Schritt für Schritt gefügt." Bei vielen - wenn nicht sogar nahezu allen - großen Stationen seines Lebens habe er nie danach gesucht, sie oft auch nicht gewollt, aber sie wurden ihm dennoch geschenkt. "So bin ich immer wieder auf neue Wege geführt worden. Im Rückblick spüre ich einfach viel Dankbarkeit, dass ich so viel erfahren und erleben durfte", sagt er.
Als ältestes Kind in einer Bauernfamilie war es eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz, dass er der Hoferbe ist. Aber es kam anders. Dass er aufs Stiftsgymnasium gekommen ist, war - so wie vieles in seinem Leben - nicht seine Idee. Ein befreundeter Kaplan habe mit seinen Eltern ausgemacht: "Der gehört ins Gymnasium nach Kremsmünster." Schmunzelnd meint Haidinger dazu: "Damals hat man ja noch gemacht, was die Eltern und der Kaplan wollten."
In der Klosterschule sei dann auch der Wunsch gewachsen, Priester zu werden. Als sein Vater ihn in der siebten Klasse fragte, was er denn nach der Matura machen werde, antwortete der junge Christian Haidinger: "Wahrscheinlich werde ich dann ins Kloster eintreten."
Der Wunsch, Priester zu werden, sei gewachsen und wurde letztendlich zu seinem "Jugendtraum". Tatsächlich ist er aber erst mit 51 Jahren für zehn Jahre Pfarrer in Buchkirchen in Oberösterreich geworden. Davor und danach waren immer andere Funktionen, Ämter und Aufgaben für ihn bestimmt. "Mein Herz gehört der Seelsorge", sagt der Jubilar im Interview, "aber auch die anderen Aufgaben und Ämter waren wichtig, man trägt ja eine Mitverantwortung in der Gemeinschaft."
Experimentieren in Rom
Auch Haidingers Studienzeit kam anders als geplant. Ursprünglich sollte er mit den beiden anderen Novizen aus Kremsmünster in Salzburg studieren. Eines Tages kam aber vom Abt die Info: "Du gehst nach Rom studieren." Dort erlebte er ab 1966 "die prägendste Zeit meines Lebens". Ein Jahr davor war das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende gegangen. Die Kirche in Rom und auf der ganzen Welt sei im Aufbruch gewesen. Eine aufregendere Zeit für einen jungen Theologiestudenten hätte es wohl kaum gegeben.
"Es war eine Zeit des Aufbruchs, des Experimentierens", so Haidinger. So kam es auch, dass ihm im Nachhinein bewusst geworden sei, dass er bei der ersten Konzelebration weltweit dabei war. Feierte vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) jeder Priester seine eigene Messe, so war es nun üblich, dass mehrere Priester gemeinsam Messe feierten. Fazit: "Eine spannende Zeit, für die ich nicht genug dankbar sein kann."
(Website der Ordensgemeinschaften Österreich: www.ordensgemeinschaften.at)
Quelle: kathpress